Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD):
Was Hals, Nase, Ohren und Zähne miteinander zu tun haben
Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen Hals, Nase und Ohren einerseits und den Zähnen andererseits nicht so abwegig, wie es zunächst scheinen mag, denn schließlich liegt anatomisch alles ziemlich nah beieinander. Inzwischen weiß man auch, dass Zahnfehlstellungen bzw. ein falscher Biss dazu führen, dass sich die Kiefergelenke verschieben. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Wirbelsäule, die Ohren und die Nase.
Probleme mit dem Biss können Hals, Nase und Ohren in Mitleidenschaft ziehen.
So wird zum Beispiel an der Universitäts-HNO-Klinik in Mannheim intensiv über die engen Beziehungen zwischen einer Kopfgelenksstörung zu einer CMD und umgekehrt geforscht. Jüngste Forschungen haben bestätigt, dass durch die „enge reflektorische Verbindung bei längerem Bestehen einer Kopfgelenksstörung zu einer CMD und vice versa eine CMD zu einer Kopfgelenksstörung führt“. Dabei hat man außerdem festgestellt, dass durch eine Behandlung der Kopfgelenke der Unterkiefer um mehr als einen Millimeter nach vorn wandert, so dass die Symptomatik der CMD verschwindet. Das bedeutet für die Behandlung einer CMD mit einer Knirscherschiene, dass zunächst einmal eine Manualtherapie der Kopfgelenke durchgeführt werden sollte, umgekehrt aber eine Behandlung von Halswirbelsäulen-Problemen mitunter erst durch eine parallele zahnärztliche Therapie erfolgreich ist.
Kiefergelenke können die Halswirbelsäule schädigen
Über ein Drittel aller Patienten in einer HNO-Praxis leiden nach neuesten Erkenntnissen unter Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgelöst oder verstärkt werden. Nach den Angaben einzelner Ärzte sogar 50 Prozent. Es hat sich gezeigt, dass die Beschwerden im HNO-Bereich häufig durch Rezeptoren in der tiefen Nackenmuskulatur im Kopfgelenksbereich ausgelöst werden. Dafür können letztlich Probleme mit den Kiefergelenken verantwortlich sein.
Ganzheitliche Therapien helfen besser
Tinnitus, Schwerhörigkeit, Kopfschmerz, Migräne und andere hartnäckigen, wiederkehrenden Symptome im HNO-Bereich können ihre Ursachen also im zahnmedizinischen Bereich haben. Das zeigt sich zum Beispiel bei Operationen der Nasenscheidewand. Möglicherweise bleibt eine Operation erfolglos, weil zuvor der Zubiss nicht ausgeglichen wurde und der Oberkiefer nicht fest ist. Deshalb empfiehlt es sich, vor der Operation den Zahnarzt aufzusuchen bzw. mit dem behandelnden Arzt darüber zu sprechen, ob es sinnvoll erscheint. HNO- sowie Zahnpatienten können eine chronische Leidensgeschichte vermeiden oder abkürzen, indem sie die Möglichkeiten einer ganzheitlichen bzw. interdisziplinären Behandlung in Anspruch nehmen. Physiotherapie kombiniert mit einer Korrektur des Zubisses können ein möglicherweise jahrelanges Schmerzmartyrium vermeiden.
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